Religionen in der Volksrepublik China

Die Volksrepublik China ist ein Vielvölkerstaat in dem alle großen Weltreligionen vertreten sind. Als weltweit älteste Kulturnation, verfügt China über sehr große kulturhistorische Schätze aus unterschiedlichsten Epochen und Dynastien von seinen Religionen. Diese Kulturdenkmäler stehen unter besonderem Schutz der chinesischen Regierung. Seit den 1980er Jahren sind viele von ihnen vom Staat zum Teil sehr aufwendig renoviert worden.

Die chinesische Verfassung garantiert seit 1982 Religionsfreiheit und der Staat erkennt offiziell fünf Religionen (Buddhismus,

Daoismus, Islam, Christentum [= Protestantismus] und Katholizismus) im Land an. Mit rund 700 Mio. Menschen (knapp 50 % der Bevölkerung), stellt der Atheismus (sofern er als Religion gezählt werden kann) die größte Gruppe im Land.

Buddhismus

Die größte Religionsgruppe ist mit Abstand der Buddhismus mit rund 450 Mio. Anhängern (ca. 30 % der

chinesischen Bevölkerung) landesweit. Es gibt ein flächendeckendes und

landesweites Netz buddhistischer Tempel und Klöster.

In Peking zählt der ZhiHua – Tempel (am 2. Ring zwischen den U-Bahn Stationen

ChaoYangMen und JianGuoMen der Linie 2) zu den bekanntesten buddhistischen

Tempelanlagen, die besichtigt werden können. Das Tempelmuseum verfügt über alte Handschriften. Ein weiterer Höhepunkt ist die „Zehntausend-Buddha-Halle“.

Geschichtlich gesehen kommt der Buddhismus aus Indien und entstand ca. 500 v. Chr. als der Prinz Siddhartha in einer Meditation nach Befreiung von den Leiden des Lebens suchte.

Fortan wurde er als Buddha = „der Erleuchtete“ bezeichnet.

Heute gibt es innerhalb des Buddhismus unterschiedliche Schulen und Gruppierungen:

- Im Hinayana-Buddhismus strebt der einzelne lediglich für sich selbst nach der Befreiung aus dem ewigen Kreislauf der Leiden des Lebens nach dem Erreichen des Nirwana. Im Mahayana-Buddhismus ist das Schicksal des einzelnen mit dem seiner Mitmenschen untrennbar verbunden.

- Der tibetische Buddhismus, dessen religiöses Oberhaupt der Dalai Lama ist, ist ebenfalls eine Gruppierung innerhalb des Buddhismus in China. Der Lama-Tempel (am 2. Ring bei der U-Bahn Station Lamatempel der Linie 2) ist der größte tibetisch-buddhistische Tempel außerhalb Tibets (und Qinghais).

Daoismus

Der Daoismus gilt oft als einzige wirklich chinesische Religion. Wie viele Anhänger er in China tatsächlich hat ist nur schwer

abschätzbar; sicher kann aber gesagt werden, dass es nur sehr wenige

daoistische Priester gibt. Der daoistische DongYue-Tempel (etwas westlich der

U-Bahn Station ChaoYangMen an der Linie 2) in Peking gibt dem Besucher einen kurzen Überblick über den Daoismus und seine Riten. Im Zentrum des Daoismus steht das Dao, das nicht erfahrbar und durch Worte nicht erklärbar ist, weil es die menschliche Vorstellungskraft übersteigt. Der Zugang zum Dao ist nur über mystische Einsichten möglich. Der Mensch soll in Harmonie mit dem Universum leben und sich durch Nicht-Handeln hervortun. Im Daoismus kommt es also vor allem auf den Weg an, den man zurücklegt, daher auch das Sprichwort: "Der Weg ist das Ziel!"

Geschichtlich geht der Daoismus bis ins Jahr 604 v. Chr. zurück, als der Stifter Laozi (manchmal auch Laotze) geboren wurde. (Ob Laozi tatsächlich gelebt hat, kann geschichtlich, nicht nachgewiesen werden.)

Vermutlich wollte er nie, dass sich seine Philosophie zu einer Religion entwickelt. Laozi wollte seinen Lebensabend in Einsamkeit außerhalb Chinas verbringen, und wurde von einem Torwächter an der großen Mauer gebeten seine Philosophie aufzuschreiben. So entstand das nur rund 5000 Zeichen umfassende Buch vom Sinn und Leben. Zuangzi (399 – 295 v. Chr.) setzte schließlich die Ideen Laozis um, so dass aus der Philosophie eine Religion wurde.

Heute gibt es im Daoismus eine religiös und eine philosophisch geprägte Richtung mit jeweils eigener Interpretation der Lehren Laozis. Der

religiöse Daoismus adaptierte Gedankengut und Rituale aus dem Buddhismus und verschiedenen alten chinesischen Volksreligionen.

Islam

Nach Schätzungen leben in China zwischen 50 und 70 Mio (3 – 5 %) Muslime. Der Islam ist aber nicht in ganz China etabliert. Entlang der

Seidenstraße und in der autonomen Region Xinjiang ist er die vorherrschende

Religion. Im Pekinger Chaoyang Distrikt (wo die meisten Ausländer leben und

arbeiten) befindet sich auch die NiuJie-Moschee. Sie datiert auf das 10 Jhd.

zurück und ist die größte Moschee Pekings und beherbergt Mondobservatorium, in dem der chinesischen Mondkalender berechnet wurde. Die NiuJie-Moschee kann –

außer dem Gebetsraum – auch von Nicht-Muslimen besichtigt werden.

Während der Tang-Dynastie (618 - 907 n. Chr.), als China sich dem Rest der Welt öffnete und wirtschaftlich enorm aufblühte, kam auch der Islam ins Reich der Mitte. So bauten arabische Händler in den südchinesischen Hafenstädten Moscheen, um ihre Religion ausüben zu können. In Nordchina ließen sich arabische Händler überall entlang der Seidenstraße in den heutigen Provinzen Xinjiang, Gansu und Sha’anxi nieder.

Die nationale Minderheit der Uiguren, die türkische Vorfahren hat und sich in der heutigen autonomen Region Xinjiang angesiedelt haben, haben ebenfalls zur Islamisierung Chinas beigetragen.

Die chinesischen Kaiser gestatteten ihren Untertanen und vielen Immigranten Religionsfreiheit und vermieden so politische Spannungen mit Religionen.

Seit 1982 garantiert die chinesische Verfassung ebenfalls Religionsfreiheit. Die chinesische Gesellschaft war zu fast allen Zeiten in der Lage, neue Religionen zu integrieren, so dass fast immer ein harmonisches Nebeneinander der verschiedenen Religionen entstehen konnte.


Judentum

Das Judentum existiert in China nur noch in einigen einzelnen Gemeinden.

Die größte jüdische Gemeinde, die auch eine eigene Synagoge hat, ist in Kaifeng (Provinz: Henan). Die heute rund 500.000 Einwohner zählende Stadt liegt ca. 650 km südlich von Peking und beherbergt neben mehreren Tempeln auch eine

christliche Kirche und eine Moschee.

Das Judentum kam vermutlich während der Tang Dynastie (618 bis 907) durch Händler über die Seidenstraße nach China. In dieser Zeit war Kaifeng chinesische Hauptstadt, so dass viele Händler der Seidenstraße sich dort ansiedelten. Die Multi-Religiosität dieser heute eher kleinen Stadt bezeugt das freie Religionsausübung bereits im „alten“ China sehr hoch entwickelt war und sich über unterschiedlichste Dynastien und Jahrhunderte erhalten hat.

Katholizismus

In China leben ca. 25 bis 50 Mio. (ca. 1,5 bis 3 % der chinesischen Bevölkerung) Katholiken, die sich aber sehr unterschiedlich auf das Land verteilen. In der die Hauptstadt umgebenden Provinz Hebei gibt es beispielsweise Dörfer, die zu über 90 % katholisch sind. Die katholische Kirche (天主教 TianZhu Jiao) wird in China nicht als Konfession innerhalb des Christentums gesehen, sondern als eigenständige Religion. Das liegt zum einen an den unterschiedlichen Gottesbegriffen der Katholiken (天主

TianZhu zu deutsch: der Herr des Himmels oder der Herr im Himmel) und

Protestanten (上帝 ShangDi, zu deutsch: der Herrscher über allem) und zum

anderen am uneinheitlichen Auftreten der katholischen und protestantischen

Missionare im 19. und 20. Jhd.

Heute ist China in 20 Erzdiözesen, die sich in 90 Diözesen und 25 apostolische Präfekturen weiter untergliedern, aufgeteilt. Diese „offizielle“ katholische Kirche repräsentiert aber nur eine Minderheit der Katholiken in China und wird von der staatlich geführten „Patriotischen Front“, die den Papst nicht anerkennt geleitet. Viele Katholiken sind in der staatlich unabhängigen Untergrundkirche organisiert.

Seit einigen Jahren gibt es Gespräche zwischen der chinesischen Regierung und dem Heiligen Stuhl mit dem Ziel einer Annäherung und Aussöhnung. Das Recht über die Einsetzung der chinesischen Bischöfe führt aber immer wieder zu Konflikten.

Die katholische St. Joseph Freinademetz Gemeinde deutscher Sprache unterhält ein gutes Verhältnis zum Ortsbischof von Peking, der seit 2007 durch den Heiligen Stuhl in seinem Amt bestätigt ist und trägt so zum Zusammenwachsen der offiziellen Kirche mit der Untergrundkirche bei. Außer in Peking finden noch in Shanghai und Hongkong regelmäßig katholische Messen in deutscher Sprache bei den dortigen Auslandsgemeinden statt. In folgenden chinesischen Städten gibt es kleine deutschsprachige katholische Gruppen oder Gemeinden, die in unregelmäßigen Abständen Gottesdienste in deutscher Sprache

anbieten: Guangzhou (Kanton), Suzhou, Chengdu, Qingdao, Wuxi und Jiangmen.

Konfuzianisums

Der Konfuzianismus ist keine Religion im eigentlichen Sinn, sondern eine Lehre und beschäftigt sich mit den fünf  Elementarbeziehungen (Herrscher – Untertan, Mann – Frau, Vater – Sohn, Alte – Junge und Freunde) auf die seine Gesellschaftsordnung aufbaut. Konfuzianische Tugenden und Pflichten

wie Verehrung der Eltern, Ehrlichkeit, Loyalität oder Respekt sind das

moralische Idealbild für die gesellschaftliche Elite. Überall in China wird heute in Konfuziustempeln der Stifter und Lehrer Konfuzius verehrt. In Peking

findet man einen gut erhaltenen Konfuziustempel in der Nähe des Lamatempels (bei der U-Bahn Station Lamatempel der Linie 2)

Konfuzius wurde 551 v. Chr. im Staat Lu (heutige Shandong Halbinsel) in armen Verhältnissen geboren. Er strebte ein hohes Regierungsamt an, um seine Ideen umzusetzen, brachte es aber nur zum kleinen Beamten. Heute liegen nur noch die Schriften seiner Schüler vor, die eine Sammlung aus Lehren und Gesprächen mit dem großen Meister darstellen und über Jahrhunderte Grundlage der staatlichen chinesischen Beamtenprüfung waren. Mengzi (Menzius

372 – 289 v. Chr.), ein konfuzianischer Lehrer, brachte den Konfuzianismus kurz

vor der zweiten Reichseinung erneut zum Aufblühen und etablierte das

Nationalbewusstsein als Bestandteil konfuzianischer Tugenden in der Lehre.

Heute bedient sich auch die KP der Volksrepublik der konfuzianischen Lehre, weil er zum einen dem Kommunismus chinesischer Prägung eine asiatische Note verleiht und er zum anderen konfuzianische Tugenden wie Treue, Loyalität oder Gehorsam keine praktischen Probleme für das Regieren

aufwerfen. In der Führungskultur asiatischer Unternehmen wurden konfuzianische Ideale von marktwirtschaftlichen Prinzipien zunehmend verdrängt.


Orthodoxie

Die orthodoxen Ostkirchen werden 東正教

(Dong Zheng Jiao) genannt, welches die wörtliche Übersetzung von „östliche

orthodoxe Religion“ ins Chinesische ist.

Die orthodoxe Kirche Chinas ist eine autonome Kirche die zum Moskauer Patriarchat gehört. Schätzungen zufolge gehören der orthodoxen chinesischen Kirche nur ca. 25.000 Gläubige an, weshalb sie im Moment noch nicht selbständig lebensfähig ist.

Das ökumenische Patriarchat von Konstantinopel unterhält in Hongkong eine kanonische Jurisdiktion, die für Hongkong, Taiwan und Mainland China zuständig ist. 2008 führte diese Jurisdiktion, wegen unterschiedlicher

Meinungen über ihre Ausdehnung zu Spannungen zwischen der russisch-orthodoxen Kirche (Patriarchat von Moskau) und der ökumenisch-orthodoxen Kirche (Patriarchat von Konstantinopel).

Protestantismus

Die rund 50 bis 70 Mio. (ca. 3 - 5 % der Bevölkerung) Protestanten leben in China. Sie sind zu rund 1/3 in der „Drei-Selbst-Bewegung“ organisiert. Diese Dachorganisation ist eine Art Staatskirche und die höchste evangelische Institution in der Volksrepublik. Der Begriff Drei-Selbst steht für Selbsterhaltung,

Selbstverwaltung und Selbstverbreitung und entspringt dem Gründungsgedanken der „selbständigen chinesischen Kirche“ (erster Zusammenschluss einzelner

chinesischer protestantischer Kirchen) von 1906.

Der Protestantismus heißt in China 基督新教 (JiDu XinJiao zu deutsch: „Neue Religion“-Protestantismus), weil er erst 1803 mit dem Briten Robert Morrison über Macao nach China kam. Im 19. Jhd. kam es immer wieder zu Konflikten mit Missionaren, die unter dem Schutz ausländischer Mächte und oft durch die „ungleichen Verträge“ geschützt, handelten.

Im 20. Jhd. entwickelten sich harmonischere Missionsformen. Durch die Gründung von Krankenhäusern und Schulen entwickelten die ausländischen Missionshäuser das chinesische Sozialwesen und erzielten beachtliche Missionserfolge.

Die evangelische Gemeinde deutscher Sprache in Peking fühlt sich dieser Tradition des friedlichen Miteinanders verpflichtet und unterhält gute Beziehungen zur chinesischen Drei-Selbst-Bewegung und zur Ortskirche in

Peking. Sie betreut in Changchun und Qingdao deutschsprachige Filialgemeinde in denen jeweils vier bis sechs deutschsprachige Gottesdienste im Jahr stattfinden. In Shenyang ist die Gründung einer weiteren Filialgemeinde geplant.


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